Gin Geschichte – von der Entstehung bis heute

Einführung in die Gin Geschichte:
Wie viele Spirituosen hat auch der Gin seinen Ursprung bei der Herstellung von Medizin. Bereits in frühen Jahrhunderten, wurde Alkohol für die Medizinproduktion destilliert. Nach den heute bekannten Aufzeichnungen war es ein arabischer Gelehrter der das Destillationsverfahren erforschte und vereinfachte. 

Aufzeichnungen zeigen auch, dass unterschiedliche Kräuter und Beeren, darunter auch Wacholder in unterschiedlichen medizinischen Mitteln Verwendung fand. Vielen Pflanzen wurden damals heilende Wirkung zugesprochen. Sogar bei der Pest galt ein Wacholderdestillat als Heil- bzw. Linderungsmittel.

Erwähnung des Gin in der Geschichte

Gin Geschichte: Zuerst nur MedizinAls Erfinder des Gin gilt ein holländischer Arzt namens „Franciscus Sylvius de la Boe“, dieser stellte im 16. Jahrhundert einen Wacholderschnaps – mit dem Namen Genever (holländisch: Wacholder) – her. Dieser Wacholderschnaps galt auch noch im Mittelalter als Medizin und fand Einsatz bei der Bekämpfung von Fieberanfällen.
Wie bereits erwähnt, wurde das Wacholderdestillat jedoch schon viele Jahrhunderte zuvor hergestellt. Die Gin Geschichte beginnt daher nicht erst bei „Dr. Franciscus Sylvius de la Boe“. Entscheidet für die Entstehungsgeschichte des Gin ist aber seine Namensgebung (Genever) durch „de la Boe“.
Auch erkannte man im 16. Jahrhundert die geschmacklichen Vorzügen von mit Kräutern oder Früchten versetzem Alkohol. Schon bald galt die damalige „Medizin“ auch als Genussmittel und man entwickelte die Rezepte weiter um diese trinkfähiger zu machen. Genever wurde zum Traditionsgetränk der Holländer und auch Adel und Königshaus waren begeistert von dieser Spirituose.

Gin Geschichte: Genever kommt nach England

England war im 16. Jahrhundert ein enger Verbündeter Hollands und unterstütze seinen Bündnispartner auch im Krieg gegen Spanien. Die in Holland stationierten englischen Soldaten, fanden schnell gefallen am leckeren Genever. Nach der Rückkehr der englischen Soldaten ins Königsreich, brachten sie den Genever mit nach England. Dort wurde der Name „Genever“ kurzerhand in „Gin“ abgekürzt. Die Etablierung des Gins in England wurde zudem durch die Thronbesteigung Englands durch den Holländer Wilhelm III. von Oranien-Nassau begünstigt. Auch der Wilhelm III. brachte ein Rezept für holländischen Genever mit und ließ diesen an vielen Orten im Königreich herstellen. Gin hatte viele Vorzüge, zum einen war die Herstellung einfach und billig und zum anderen lässt sich Gin mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen aromatisieren. Dadurch war Gin ein sehr erschwingliches alkoholisches Getränk und vor allem bei der Marine gern gesehen. Dies war die eigentliche Geburtsstunde in der Gin Geschichte.

Die enge Verbundenheit mit Gin, zeigte Wilhelm III. auch in weiteren Beschlüssen. Zum einen verbietete er den Import von französischem Weinbrand den, die Engländer damals ebenso gerne tranken und zum anderen verabschiedete er 1690 ein Destillationsgesetz.
Durch dieses Gesetz konnten nun auch Privatpersonen Gin brennen.

Diese Vereinfachung der Gin Herstellung führte in der Geschichte des Gin aber auch dazu, dass das Wacholderdestillat sehr günstig war, aber auch in der Qualität gewaltige Einbußen hinnehmen musste. Gin war eine Zeit lang sogar günstiger als Bier und der Pro-Kopf-Verbrauch stieg auf sagenhafte 90 Liter Gin im Jahr. Immer häufiger waren die Menschen betrunken und konnten ihrer Arbeit nicht nachgehen.
Auch der sozialkritische Maler William Hogarth brachte in seinem Gemälde „Gin Lane“ die katastrophalen gesellschaftlichen Entgleisungen auf Papier.

Darauf abgebildet waren betrunkene Mütter, die sich um ihre Kinder nicht mehr sorgten, kranke und halbtote Menschen sowie Szenen von Streit und Neid unter der Bevölkerung.

Verbote für die Gin Herstellung

Gin Geschichte: William Hogarth "Gin Lane"

William Hogarth „Gin Lane“

Im Jahr 1736 wurde der „Gin Act“ verabschiedet, der die Produktion von Gin nur noch mit einer Lizenz erlaubte. Auch die Ausschankmenge und -zeit wurde darin geregelt. Der Beschluss zeigte jedoch nur geringe Wirkung. Die Engländer änderten einfach ein wenig die Rezeptur und verkauften Gin unter anderem Namen weiter. Bis ins Jahr 1750 wurden weitere Beschlüsse verfasst, alle zeigten jedoch keine große Wirkung und Eindämmung des Alkoholmissbrauchs. Erst im Jahr 1751 war mit dem „Tippling Act“ Besserung in Sicht. Dieser Beschluss senkte zwar die Kosten einer Gin-Lizenz, doch stellte er die Herstellung von qualitativ minderwertigen Gin unter hohe Strafen. So stieg die Qualität des Gin und somit auch die Preise. Zudem führten Missernten von Getreide zu Rohstoffengpässen und ließen den Ginpreis ebenso ansteigen. Die Menschen hatten nun schlichtweg nicht genügend Geld um sich häufig in einen Rausch zu versetzen und die gesellschaftliche Situation verbesserte sich.

Im 18. Jahrhundert während der industriellen Revolution wurde wieder deutlich mehr Gin hergestellt. Zudem war der geliebte Wacholderschnaps in der Gin Geschichte nicht nur beim Adel eine beliebte Spirituose, auch weniger reiche Menschen und die Arbeiterklasse liebten den Gin. Durch die Industrialisierung wurden nicht nur die Herstellungsbedingungen einfacher und lukrativer sondern auch die Qualität verbesserte sich. Auch der Handel mit anderen Ländern florierte und man exportierte Botanicals aus fernen Ländern um damit besondere Gins zu brennen.

Die Geburtsstunde des Gin Tonic

Indien war zum Beispiel längere Zeit eine Kolonie von England. Die dort stationierten Soldaten wurden natürlich auch mit Gin aus der Heimat versorgt. Ein großer Vorteil des Gin ist der hohe Alkoholgehalt, weshalb das Getränk im Gegensatz zu Bier während der langen Seefahrt nach Indien nicht schlecht wurde. In dieser Zeit entstand übrigens auch eine bekannte englische Biersorte – das India Pale Ale. Dies wurde deutlich stärker gehopft und hatte einen höheren Alkoholgehalt, damit das Bier während dem Transport nicht verdarb.

Es war aber auch die Geburtsstunde des Gin Tonic. Englische Soldaten mischten den Gin mit chininhaltigen Getränken um somit der Malariaerkrankung vorzubeugen. Um dieses Getränk trinkfähiger zu machen, wurde es mit Soda und etwas Zucker vermischt. Geboren war der Gin Tonic.

Gin Tonic startet seinen Siegeszug in Cocktailbars

cocktail-995574_640Im frühen 19. Jahrhundert beginnt die Entwicklung der Cocktailsszene. Cocktailbars sprießen aus dem Boden und der Gin Tonic war von der ersten Stunde Bestandteil vieler Cocktailkarten.
Die Prohobition, der 2. Weltkrieg und auch die Nachkriegszeit wurde die Nachfrage nach Gin geringer und die einst erfolgreiche Spirituose fristete einige Jahrzehnte ein Schattendasein.
Erst in den 90er Jahren wurde Gin aber auch sein Vorgänger Genever wieder moderner.
Woran es lag, dass Gin wieder beliebter wurde ist schwer zu sagen.
Vielleicht an der Experementierfreude traditioneller Gin Brennereien, welche interessante Gins mit neuen Botanicals auf den Markt brachten. Oder an den neuen Möglichkeiten des Marketing. Jedenfalls verhalfen junge Start-Ups, wie zum Beispiel die des „Monkey 47“ dazu, Gin wieder ins richtige Licht zu Rücken und dazu, dass darüber gesprochen wird.

Heute ist Gin wieder eine beliebte Spirituose bei Genießern und wird häufig nicht nur für Cocktails verwendet sondern ebenso gerne pur getrunken.

Gin von Heute und Gestern als Videogeschichte:

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